Puch 125-125 T

Die vor dem Krieg (1939) geschaffene 125 cm3 Klasse brachte eine große Zahl entsprechender Maschinen auf den Markt.  Am 2. März 1939 wird die Verordnung über die Typenbegrenzung in der Kraftfahrindustrie erlassen. Bereits am 15. März gibt es dazu Ausführungsvorschriften vom Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen, Oberst v. Schell. Darin heißt es:

Die Herstellung der in den Ausführungsvorschriften genannten Typen hat zeitlich so einzusetzen, das unter Vermeidung einer Lücke in der Fabrikation vom 1. Jänner 1940 an nur noch die aufgeführten Typen erstmals zum Verkehr auf öffentlichen Straßen zugelassen werden.

Die Typenzahl für Krafträder mit 125 cm3 beträgt laut Schell-Plan, wie die Typenvereinheitlichung kurz genannt wurde, neun. Gemäß dieser Verordnung durfte die Steyr-Daimler-Puch A.G. nur mehr je eine Kradtype mit 250 cm3 und eine mit 125 cm3 erzeugen. Später wurde diese Bestimmung zu Gunsten der Puch 350 GS gelockert. Auf der Wiener Frühjahrsmesse des Jahres 1940 wurde das neue Krad der Steyr-Daimler-Puch A.G. vorgestellt. Es ist dies ein 125 cm3 Kleinkraftrad, das im Rahmen der Typenvereinheitlichung unter Berücksichtigung der Normen der deutschen Kraftradindustrie geschaffen wurde. Diese genormten Teile sind:

Bereifung, Ketten, Brems- und Kupplungsbeläge, Speichen usw.

Die « Normung » ging so weit, das die Betriebsanleitung, III. Auflage vom Dezember 1941, als Geschwindigkeits-Einheit statt km/h den Ausdruck BENZ verwendet.
Angeblich soll die Puch 125 schon 1938 oder 1939 produziert worden sein, durfte aber auf Grund des Schell-Planes nicht ausgeliefert werden. Erst nach Abänderung lt. Normenausschuss durfte sie verspätet, 1940, zum Verkauf kommen. Zu diesem Zeitpunkt war dann die Handschaltung bereits veraltet. Dieser Mangel wurde aber ab der 4000. Maschine durch Einführung der Fußschaltung behoben. Bereits am 13.10.1941 gab das Oberkommando des Heeres, Heereswaffenamt die D 605/26 Ersatzteilliste für 1. Krad 125 cm3 Steyr-Daimler-Puch Typ 125 heraus. Dies lässt darauf schließen, das zu diesem Zeitpunkt das Krad bei der Wehrmacht eingeführt war.

Von der DKW RT 125, die ähnliche technische Daten aufweist, weiß man, das sie erst 1943, als man entdeckte, das durch das geringe Gewicht von ca. 90 kg im schweren Gelände eine bessere Manövrierbarkeit gegeben war, in größerer Stückzahl bei der Wehrmacht verwendet wurde. Ob dies bei der Puch genauso war, ist nicht bekannt. Anzunehmen ist, dass für die Puch die gleichen kleineren Packtaschen wie bei der RT 125 verwendet wurden.
Folgende deutsche Zulieferfirmen wurden in die Erzeugung einbezogen:

Erich & Graetz A.G. Berlin                              Vergaser Graetzin K 16a
Knecht Kom.-Ges.                                            Luftfilter
Schroers & Simmerling                                    Fußrastergummi
Gustav Magenwirth Kom.-Ges.                                      Gummi-Griffe, Kupplungs-u. Bremshebel, Lenker
Pränafa Werke G.m.b.H.                                Felgen, Naben, Bremsbacken, Bremstrommeln,                                                                                           Achsen
Noris Zündlicht A.G.                                                             Zündlichtmaschine MLZ 6/25/35
Abblendschalter SSL 832/1z
Schlenker-Grusen                                            Tacho OK Wigru Norm T 104a bis 213 000

Typenänderungen bis Okt. 1941

ab 212 201                    längere (33mm) Stiftschrauben in der Kupplung
ab 212 566                    Kettenrad 12 Zähne, vorher 13 Zähne
ab 213 001                    Tacho im Scheinwerfer, damit andere
Welle, Tacho, Scheinwerfer
ab 214 001                    neuer Zylinder
flaches Kurbelgehäuse mit 2 Bolzenösen
Fußschaltung, neuer Tank, neuer Gehäusedeckel
längerer äußerer Kupplungshebel
Zahnrad 1.Gang 24 Zähne, vorher 23 Zähne
Anwerfklauenrad 13 Zähne, vorher 14 Zähne
Vorlegewelle 8 Zähne, vorher 9 Zähne
geänderter Anwerfhebel
geänderter Fußrastenarm
ab 216 001                    geänderte Vorgelegewelle mit 8 Zähnen
geänderter Anwerfhebel
geänderter Sattel
ab 216 275                    geänderter Ständer
ab 220 001                    geänderter Lenkerkloben und Gabelfeder
ab 222 988                    neue Ölablassschraube, vorher M 6 Linsenschraube

Dabei waren die markantesten Änderungen:

ab 212 566                    andere Gesamtübersetzung
ab 213 001                    Tacho im Scheinwerfer
ab 214 001                    Fußschaltung und andere Gesamtübersetzung

Technische Daten:

Motor:                                              Zweitaktmotor, 1 Zylinder Doppelkolben
Bohrung:                                          2 x 38 mm
Hub:                                                   55 mm
Hubraum:                                                             124.75 cm3
Verdichtung:                                   1 : 6.5
Leistung max.:                                5.2 PS bei 4500 n/min
Hubraumleistung:                         41.6 PS/L
Maximales Drehmoment:         0.84 Mkg bei 4450 n/min
Drehzahl normal:                          3200 n/min
Drehzahl maximal:                        4800 n/min
Felgengröße:                                  Tiefbettfelge 2 Zoll x 19 Zoll
Reifengröße:                                  Niederdruck-Stahlseilreifen 2 1/2 Zoll x 19 Zoll
Reifendruck:                                   Vorne 1,4, hinten 1,8 (2,1 mit Sozius) Atü
Lenkungswinkel:                           61o
Nachlauf:                                          80 mm
Tankinhalt:                                       8 1/2 l; davon Kraftstoffreserve: 1.6 l
Höchstgeschwindigkeit:               76 Benz bei 4820 n/min  Solobetrieb
Höhe:                                                   900 mm
Radstand:                                         1255 mm
Sattelhöhe:                                       690 mm
Bodenfreiheit:                                 140 mm
Länge:                                                1940 mm
Breite:                                                 650 mm
Trockengewicht:                             77.5 kg
Leergewicht:                                    84 kg
Zulässiges Gesamtgewicht:        243 kg
Achsdrücke mit 1 Person:           Vorne 72 kg, hinten 88 kg
Achsdrücke mit 2 Personen:      Vorne 72 kg, hinten 166 kg

Produktionszahlen

Bauzeit :                                              1940-1950
Prod. Stückzahl:                              40.000 Einheiten