Fiedler GSX – R 750

Stahlharte Männer verzichten kühl und willentlich auf Weichmacher wie Dämpfer und Federungskomfort.

Dafür darf dann mannigfaltig geflucht werden, dass sich der Asphalt wellt. Denn genau hier, auf jeder Bodenwelle und in jedem Schlagloch verbeißen sich die Kieferknochen und Wirbelkörper ineinander. Kraft Fahrwerk. Denn näher kann Mann der Krümmung des Globus kaum zu Leibe rücken als mit solch einem Fiedler-Rahmen. Tieffliegen ja, Watteweich nein. „Für lange Strecken musst Du entweder ein Serien-Krad hernehmen oder Leidensfähigkeit größeren Ausmaßes beweisen können.

Tief sitzen

…und breit greifen. Über den gemeinen Fiedler-Rahmen findet ein stetiger, reger Meinungsaustausch bis in die Untiefen diverser Foren statt. Da verteidigt einer aus inbrünstiger Überzeugung seine Entscheidung für diesen Rahmen gegen den Rest der oftmals feindlich gesinnten Welt aus besagten Weichspülern, Kostverächtern und Motivsockenträgern: „…ich möchte auch mal kühl sein…, …flach sitzen…, die Füße nach vorne legen…und wenn ich am Kabel ziehe…geht da immer noch richtig was nach vorne, mit Japanischer Ingenieurskunst, was richtig vorwärtsmachen tut…“ So oder ähnlich fahren viele auf diesen Geradeweg-Feder-Rahmen ab. Noch so gerade eben kommt der dem gesetzlich vorgeschriebenen Gebot der Federung am Hinterrad entgegen. Nur der legendäre Starr-Rahmen von Harley-Davidson verlangte seinem Betreiber noch mehr Härte ab. Der Fiedler-Rahmen aus dem Norddeutschen Raum gibt von jeher einer Reihe von japanischen Aggregaten exotische Heimstatt, aber er bietet durch seinen Aufbau weder kuschelige Gemütlichkeit noch angenehme Bodenfreiheit. Anfangs fanden etliche Yamaha TR1-Triebwerke Einlass ins Stahlwerk, dann die beliebten XS650, einmalig ein Sechszylinder der Honda CBX und hier eine der weniger verbauten GSX-R-750-Motoren. „Höchstgeschwindigkeiten sind zwar so nicht mehr erstrebenswert, aber Fliegenlassen ist eh nicht Maß aller Dinge. Nur riefentief und imposant lang sollte das Fahrgestell sein.“

 

Flow – Jet

Markus fand da in seinem Namensvetter, dem Betreiber von No-Limit-Fighters in Nabburg, einen handwerklich versierten Kreativen. Zwar ist der Fritsch Markus eher als Streetfighter-Customizer bekannt, aber solch langatmige Rahmen haben es dem quer denkenden Bayern mittlerweile ebenso angetan. Die besondere Challenge an diesem Fahrzeug bestand schon allein darin, dass es bei Übergabe bereits so verbaut war, dass der Profi in Sachen Customizing eine Komplett-Sanierung vornehmen musste. Schmährufe in Internet-Foren höhnen schon mal rum: „Ey ein Fiedler-Rahmen bleibt ein Fiedler-Rahmen – uglysch und zwar eternal, dass man mit so was wirklich fahren kann, bezweifle ich zusätzlich im Höchstmaß, das gibt doch nur `ne Arbeits- und Materialschlacht und wenn du fertig bist, sind 10 Riesen weg und die Karre ist immer noch voll daneben…“

Never surrender!

Fritschi hingegen nahm das verunglimpfte Krad mit stoischer Ruhe und dem Wissen eines Auskenners völlig auseinander und baute es hernach gründlich neu auf. Das gab dem Neubesitzer auch die Möglichkeit, einige Komponenten wie den druckvollen Vierzylinder aus Hamamatsu mit Baujahr 1991 in der luft-öl-gekühlten Version anstelle eines üblichen Twins einbauen zu lassen. Die Idee zur Lackierung im schlanken Martini-Design kam ebenso von ihm, was der Lacker Andrl aus der Nabburger Umgebung perfekt umzusetzen wusste. Um vor den Festungen eines Technischen Überwachungsvereins Bestand haben zu können, greifen die Fiedler-Fans auch schon mal zu Tricks wie dem Austausch der marginalen Federung. Manche dagegen schicken ihre Fiedlers auf noch mehr Tiefgang, indem die lange Feder entgegen dem Original oben, die kurze dagegen unten montiert wird am Hinterrad-Konstrukt.

Wie gesagt, mit Reisekomfort kann ein solch arges Fahrzeug eh nicht dienen, deshalb blieb Fritschi in der vorgegebenen Reihenfolge der Federanordnung. Nun schiebt aber hier die fette Pelle mit der von Deget auf 9 Zoll verbreiterten Felge noch ein wenig demonstrativer übers Geläuf. Der Forums-Motzer aus der Chopper-Zunft meinte dereinst zum Projekt seines Fiedler-Rahmen-Freundes: „Aber von Vorteil sind die Orgelpfeifen unterm Rahmen, da wird die Pelle schön vorgeheizt und klebt dann besser am Asphalt.“ Die elegante Martini-Flunder aus Nabburg hingegen wird neckisch aufgemotzt und klangvoll vertont per doppelter Laser-Bassschalmey, die gar lustvoll beinahe ungehemmt und fast direkt in die Ohren des Low-Riders posaunen. Im Konterpart dazu steht der sich freien Lüften steil entgegen reckende, offene Luftfilter von Speed Products, just am schlanken Tank entlang.

Hart aber gereckt

Fritschi modernisierte das Long-Vehicle zudem mit einem GSX-R-Vorderrad und Billet Sechs-Kolben-Bremsen an Braking-Wave-Scheiben, geführt an adäquater USD-Gabel, bereichert durch die selbst erfundenen Gabelbrücken und der modifizierten Beleuchtungseinheit.

„Okay, mehr als 250 Kilometer am Stück und nicht mehr als 180 km/h schnell, wenn überhaupt, sollten es nicht sein“, weiß der stahlharte Besitzer aus seinem bisherigen Erfahrungsschatz zu berichten. „Breit greifen“ muss er wahrlich, wenn er die unter der oberen Gabelbrücke montierte, ausschweifende Lenker-Griff-Kombination umfasst. „Tief sitzen“, dabei weit nach vorn gestreckt, dank der extremen Position der RST-Fußraster. Fein gemeint im Sinne der enormen Reckung der Vorderrad-Gabel. Da interessiert nicht die marginale Länge des Federwegs geschweige denn der nicht vorhandene Komfort. Mehr Radstand bringt mehr Spannungsmoment in dieses stahlharte Tragwerk. Mithin biegt sich nur der Körper oben drüber. Um gnädigere Dämpfung bittet der ganze Kerl nicht, nur um die ganze Wucht des mutwilligen Gixxer-Fahrens im ellenlangen Fiedler-Rahmen. Schnörkelfrei. Dafür kühl tief und hammerhart.

 

Technik – Box

  • Motor:
    Suzuki GSX-R 750 Baujahr 1991, luft-öl-gekühlt, Mikuni-Vergaser, offener Luftfilter von Speed Products, Auspuff-Krümmer Eigenbau, Endtöpfe Laser, 4-1, RST-Brems- und Kupplungs-Zylinder
  • Front: 
    Gabelbrücken, Lenker und Fender Eigenbau No-Limit-Fighters, GSX-R-Vorderrad, Braking-Wave-Scheiben, 6-Kolben-Billet-Bremsanlage, Blinker Kellermann, Digi-Beast-Speedometer
  • Rahmen:
    Fiedler, 1999, verstärkt, Federung original
  • Bodywork:
    No-Limit-Fighters mit Olli, Nabburg
  • Heck:
    Fender by No-Limit-Fighters, Felge von Deget auf 9 Zoll erweitert
  • Räder:
    V: 3 ½ x 17 Zoll, H: 9 x 18/240
  • Lackierung:
    Martini-Design by Andrl, nahe Nabburg